Doku des Alltags: Eisenbahn in München
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Der östliche Nordring
München-Johanneskirchen

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Bahnhof München-Johanneskirchen (km 7,3/28,4).

1.) Bis zum Ende des Sommerfahrplans 1971 wurde die Strecke München Ost – Ismaning von ET 85 (Bw München Ost) bedient. In der folgenden Fahrplanperiode übernahmen 515 den Betrieb, anschließend Straßenbusse. Der planmäßige (!) S-Bahnverkehr nach Ismaning wurde erst zum Winterfahrplan 1973/74 aufgenommen, da sich die Umbaumaßnahmen in die Länge zogen.

Hier schreiben wir bereits das Jahr 1972, als die ET 85 noch im Werksverkehr zum AW Freimann eingesetzt wurden. 485 022 mit 885 631 steht am 24.7.1972 am noch blitzblanken, blumenkübelgeschmückten, neuen S-Bahnsteig des Bahnhofs Johanneskirchen. Die runtergeklappten Zugschlussscheiben am ES irritieren hinsichtlich der Fahrtrichtung. Das Gespann ist als Dstp 2899 mit Steuerwagen voraus von Milbertshofen nach München Ost unterwegs. Wie schon im ersten Teil auffällt, war es offensichtlich eine Marotte vom Personal des Bw München Ost, beim führenden Fahrzeug die Schlussscheiben der Einfachheit halber einfach draufzulassen.

2.) Der Umlaufplan für den Werksverkehr für drei Garnituren für den Sommerfahrplan 1973.
3.) Das hölzernen Betriebsgebäude im Herbst 1989, es stammt wie das von Daglfing aus dem Eröffnungsjahr 1909 und wurde Ende 1990 abgerissen. Der Stellwerksanbau ist schon auf Bild 1 zu sehen. Der Bahnhof Johanneskirchen bekam 1960 ein Dr S2-Stellwerk und damit Lichtsignale der älteren Bauform. Hier ist auch der Rest des früheren Hausbahnsteigs zu sehen. Bevor der S-Bahnsteig gebaut wurde, hatte der Bahnhof den Hausbahnsteig und einen Zwischenbahnsteig an Gleis 2 mit niveaugleichen Übergängen.
4.) Heute ist es kaum mehr vorstellbar, aber im Bahnhof Johanneskirchen gab es seit 1977 einen Containerbahnhof zur Entlastung des Betriebs an der Arnulfstraße/Donnersbergerbrücke. Anfang der 90er Jahre wurde dann der neue Umschlagbahnhof in Riem in Betrieb genommen.
5.) In einer Mischung aus Ländlichkeit und Trabentenstadt zeigt sich Johanneskirchen zu Beginn der 70er Jahre. Anstelle des langezogenen Gebäudes links steht heute auch ein moderner Wohnblock.
6.) Ziemlich rasant verlässt diese Garnitur, bestehend aus 885 615, einem unbekannten 885-Dreiachser und 485 009, als Dstp 2899 den Bahnhof Johanneskirchen Richtung München Ost. Die Anekdote dazu vom Isartalbahner:

Am Führerstand ein so richtig Alterfahrener, den betrieblich nix konnte! Ich bin den ganzen Umlauf mitgefahren und in Johanneskirchen ausgestiegen, weil ich die Ausfahrt aufnehmen wollte. Es dem Lokführer gesagt, der wiederum: "na roas hoid viera und zoag ma des Kemma-Zeichn, na fahr i los. De Zeit kriag i scho wieda rei, i hob ja de Rennsau" (dann renn halt vor und zeig mir das Kommen-Zeichen, dann fahr ich los. Die Zeit krieg ich schon wieder rein, ich hab ja die Rennsau).

Was ist das "Kemma-Zeichn"? Rangierzeichen > kommen > mit dem Arm seitlich wachteln. Die Rennsau war der ET 85 09, einer der beiden (+ ET 85 05) mit Getriebeänderung und Vmax 100 km/h. Franz Eigl hat mal spitzbübisch gemeint, dass die beiden locker 110 laufen - er hat´s ausprobiert. Fragt nicht, wie der aus Johanneskirchen rausgeschossen ist!
7.) Der Nachschuss auf den Triebwagen zeigt den weiteren Verlauf der Strecke nach Süden. Direkt rechts befinden sich heute Tennisplätze. Unter anderem fallen hier die aus Eisenrohren zusammengeschweissten Turmmasten auf, die bis heute an diesem Streckenabschnitt, aber auch in Milbertshofen zu finden sind. Vor dem Steuerwagen ist das Geländer der Brücke über die Stegmühlstraße zu sehen. Hinter dem Geländer eine Vorsignalbake vom Evsig Daglfing. Zwischen Vor- und Hauptsignal liegt der Hp Englschalking. Zwischen dem Gestänge vom Turmmasten durchgeblickt erkennt man das Einfahrsignal vom Bahnhof Johanneskirchen.
8.) Genau dort ist dieses Bild im Herbst 1989 entstanden: am Einfahrsignal von Johanneskirchen und am Einfahrvorsignal von Daglfing. Im Hintergrund ist der Stadtteil Englschalking zu sehen, dessen Haltepunkt kurz vor dem Einfahrsignal von Daglfing liegt.

420 508 kommt aus Maisach, wo er um 15:05 abgefahren ist. Johanneskirchen ist Endstation. Die weitere Strecke nach Ismaning wurde zu verkehrsschwachen Zeiten nur im 40-Minuten-Takt bedient. Am westlichen Ast der S3 war es noch heftiger, der Abschnitt Maisach – Nannhofen (heute Mammendorf) war zeitweise 1-2 Stunden ohne S-Bahn, dafür hielten in Nannhofen noch einige Nahverkehrszüge.

Wenn man genau hinschaut, sieht man, dass beim Zugzielanzeiger bereits das Ziel der Rückfahrt angeschlagen ist: Nannhofen.
9.) Ansicht des Bahnhofs Johanneskirchen von Süd nach Nord, sozusagen eine vis-à-vis-Ansicht zu Bild 7. Hinten ist der soeben angekommene 420 zu sehen, hier mit 420 008 im Bild. Schon um 15:55 geht es zurück, diesmal bis Nannhofen, wo die Ankunft um 16:51 sein wird.
10.) Zurück am Bahnsteig rumpelt ein Güterzug mit 150 183 durch die herbstliche Schattenlage.
11.) Ein aktuelles Vergleichsbild: die ÖBB-Hercules hat einen leeren Autotransporter-Zug aus Milbertshofen gebracht und drückt ihn gleich zurück in ein Abstellgleis nördlich des Bahnhofs. Das hölzerne Betriebsgebäude ist Vergangenheit, das schiefe Geländer daneben steht noch heute.
12.) Es gibt noch das Überholgleis, nur vom Güterteil ist nicht mehr viel übrig. Nur ein "eingesperrter" ›Oppeln‹ harrt hier schon seit mehr als 20 Jahren aus.
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