Im folgenden eine Stunde Betrieb im Bahnhof Geislingen, Mai 1992
1.) Der mit 151 162 bespannte N 3423 kurz nach der planmäßigen Ankunft um 16:40. Abfahrt in Stuttgart war um 15:41 als E 3423. Ab Göppingen gings als Nahverkehrszug weiter. Mit dem Zug kam ich aus Plochingen. Unterwegs gabs derart heftige Regenschauer, dass ich schon dachte das mit Geislingen kann ich vergessen. Trotzdem bin ich mal ausgestiegen. Aber wie man sieht prasselt der Regen noch schön herunter.
An der 94 km langen Hauptbahn Stuttgart – Ulm liegt bei km 61,3 der Bahnhof Geislingen (468 m NN) und markiert den unteren Ausgangspunkt der Rampe auf die Schwäbische Alb, der berühmten Geislinger Steige. Auf den folgenden 5,7 km bis Amstetten (580 m NN) werden 112 m mit einer Steigung von 22,5 ‰ (1:45) überwunden. Am 14. Juni 1846 wurde die Strecke Süßen - Geislingen eröffnet, kurz zuvor war Süßen von Plochingen her mit der Bahn erreichbar. Der Bau der als Gebirgsbahn geltenden Geislinger Steige wurde 1850 vollendet. Der kleinste Gleisradius beträgt 286,5 m.
Der Bahnhof Geislingen war auch Ausgangspunkt einer Nebenbahn. Die 21,2 km lange Tälesbahn Geislingen – Wiesensteig wurde am 21. Oktober 1903 eröffnet. Während auf dem Abschnitt Deggingen – Wiesensteig bereits 1968 der Gesamtverkehr eingestellt wurde, hielt sich bis Deggingen der Personenverkehr bis 1980, der Güterverkehr bis 1981. Das Teilstück Geislingen – Bergwerk Stauferstollen war zwischen 1937 und 1964 sogar elektrifiziert, aufgrund schwerer Erzzüge. Um den Bahnhof Geislingen von den Erzzügen zu entlasten wurde der Kehrbahnhof Eybtal errichtet, über den die Züge von der Tälesbahn direkt nach Geislingen West geleitet werden konnten.
Zum Zeitpunkt meiner Aufnahmen verkehrte auf dem verbliebenen Reststück bis Geislingen-Altenstadt und den dortigen Anschlüssen noch ein Übergabezugpaar:
Üg 69660 W(Sa) Geislingen - Altenstadt
Üg 69661 W(Sa) Altenstadt - Geislingen
Geislingen verfügte über ein eigenes Betriebswerk, wo u. a. auf der Nebenbahn eingesetzte Loks der Reihe 86 beheimatet waren. Aber nicht zuletzt auch wegen der auf der Steige eingesetzten Schubloks. Dies war u. a. eine Domäne der Baureihe E 93. Seit 1933 ist die Strecke elektrifiziert, ab den 1940er Jahren waren 4 Loks dieser Baureihe in Geislingen stationiert:
E 93 01, 02, 03, 04. Dieser Bestand hielt sich bis 1951 mit dem Abgang von E 93 04 zum Bw Kornwestheim. Die restlichen drei Maschinen folgten 1958. Bis zur Ausmusterung Ende der 1970er Jahre war die E 93 (ab 1968 193) als Schubloks hier eingesetzt. Natürlich war auch die stärkere Nachfolgerin E 94 auf der Geislinger Steige tätig. Die Maschinen vom Bw Mannheim hielten sich dort bis 1987, ehe sie von der Baureihe 150 abgelöst wurden. Nach der Ausmusterung der Baureihe 150 übernahm die 151 den Schiebedienst. Reisezüge werden heute allerdings kaum noch nachgeschoben, allenfalls schwere Güterzüge ab Geislingen West. Allerdings ist im Bahnhof Geislingen ebenfalls eine Schublok hinterstellt, für den Fall eines außerplanmäßigen Halts eines höherwertigeren, schweren Reisezugs.
2.) Bahnsteigimpression am Zugende. Gegenüber stehen Eichgerätewagen.
3.) Schließlich drückt 151 162 die Garnitur zurück. Der ABm und der Bm werden in Geislingen abgestellt. Nur mit den beiden Silberlingen gehts um 17:06 als N 5272 zurück nach Plochingen.
4.) Der entgegengesetzte Blick zeigt eine Ansicht des regennassen Bahnhofs, exakt am km 61,29.
5.) Um 16:55 erreicht der IR 2265 Saarbrücken — Lindau, bespannt mit 103 143 den Bahnhof Geislingen.

6.) Der IR 2265 mit dem hoch oben thronenden Ödenturm im Hintergrund.
7.) Nachdem der InterRegio den Bahnhof wieder verlassen hat und die Steige hinaufklettert, beendet 151 162 ihr Rangiermanöver und kehrt mit nunmehr zwei Wagen wieder zum Hausbahnsteig zurück. Die auf dem Bergkegel im Hintergrund sichtbare horizontale Schneise etwa auf Höhe des Stellwerks zeigt den weiteren Verlauf der Bahntrasse, die in weitem Bogen um Geislingen herumführt und dabei einen 180°-Bogen beschreibt.
8.) Das auf Bild 7 Hp 2 zeigende Ausfahrtsignal von Gleis 3 gilt dem IR 366 Bludenz — Trier, der, mit einer 110 bespannt, hier gerade einfährt. Abfahrt ist 17:02. Auch hier kann man schön den Verlauf der Strecke und die Steigung erkennen.
9.) Aus der Gegenrichtung braust 151 158 mit einem Güterzug durch Gleis 2.
10.) 17:04 Uhr, die Abfahrt des N 5272 steht kurz bevor. Um 17:59 wird er Plochingen erreichen.
11.) Die Ausfahrt Richtung Stuttgart. Links die noch stark frequentierte Ortsgüteranlage. Heute ist dort ein Parkplatz. Geradeaus in der der Außenkurve das Stellwerk Gf, ein Drucktasten-Spurplanstellwerk L30, Inbetriebnahme 1963. Aus der Zeit stammen auch noch die Lichtsignale mit dem älteren Signalschirm.
Die Bahntrasse vollzieht hier zunächst einen Bogen nach Nordosten, um nach der Überquerung des Flusses Eyb in einer 180°-Kurve zum gegenüberliegenden Berghang zu schwenken und weiter Richtung Westen (hier links aus dem Bild hinaus) zum Bahnhof Geislingen West (km 58,0).
12.) Nun ist es 17:05 durch, der auf Gleis 1 sichtbare N 5272 hat noch etwa eine halbe Minute bis zur Abfahrt. LInks sind wieder die Eichgerätewagen zu sehen.
13.) Der auf vielseitige Weise begrünte Inselbahnsteig der Gleise 2 und 3 von Süd nach Nord gesehen. Hinten zeigt das Signal von Gleis 1 noch Hp2, rechts verschwindet gerade die abfahrende 151 162 mit ihren beiden Silberlingen.
14.) Gleich darauf Einfahrt von 365 810 mit der werktäglichen Übergabe aus Amstetten. Die Lok wurde am 24.8.1960 in Dienst gestellt und ist noch heute (2016) bei der DB im Einsatz.
15.) Die V60 rollt durch bis in den nordöstlichen Bahnhofskopf. Das Sh1 gilt ihr, das Hp1 daneben dem nächsten durchfahrenden ICE.
16.) Mit dabei auch ein Kesselwagen der Peroxid in Höllriegelskreuth. Der Wagen ist fährbootfähig, erkenntlich an dem Ankersymbol und an den Ösen am Rahmen zum Verzurren. Außerdem hat er eine englische Feststellbremse.
17.) Auf Gleis 2 rattert ein langer Güterzug Richtung Ulm durch. Bespannt ist er mit 151 160. Die dahinter hängende 140 läuft abgebügelt mit.
18.) Gleich wird die Steige erklommen. An der südlichen Ausfahrt ist schon eine deutliche Neigung der Trasse zu erkennen.
19.) 150 151-9 leistet dem Güterzug schiebende Unterstützung bis Amstetten. Eine halbe Stunde später kehrt sie solo aus Amstetten zurück (s. Bild 41).
20.) Währenddessen kommt von oben entgegen der ICE „Münchner Kindl“ auf seiner Fahrt nach Hamburg-Altona.
21.) Ohne Halt rollt der 401 um die Kurve von Gleis 4. Bei den Signalen hinten ist ein Kesselwagen zu sehen. 365 810 ist dort mit Rangierarbeiten beschäftigt.
22.) 365 810 kehrt von Amstetten zurück auf Gleis 5, wo u. a. mit den Wagen der Übergabe ein neuer Güterzug zusammengestellt wird.
23.) Nun folgt eine Bildersequenz, in der 110 294 ohne Zweifel die Hauptakteurin ist.
Um 17.18 läuft der N 5271 Stuttgart — Ulm auf Gleis 1 ein. Er legt hier einen planmäßigen 16-minütigen Halt ein, aufgrund einiger Überholungen. Für die 94 km von Stuttgart nach Ulm ist er fast zwei Stunden unterwegs.
24.) 110 294-6 war eine alteingesessene Maschine vom Bw Stuttgart. Zum Zeitpunkt waren im Bw Stuttgart 1 ganze 64 Loks der Baureihe 110 beheimatet, der größte Teil Kastenloks und sieben Fahrzeuge mit Bügelfalte. E 10 294 wurde am 12.6.1964 in Dienst gestellt, war bis 1970 in Heidelberg stationiert, danach in Offenburg. Vom 29.9.1974 bis zur Ausmusterung am 15.1.2001 war sie in Stuttgart beheimatet.
In der Ausführung ihrer Äußerlichkeiten war 110 294 die einzige blaue 110.3 (Normalausführung) mit kurzen Klatte-Gitter und Festfenster und mit langer Gummi-Regenrinne.
25.) Nun ist es 17:24, die erste Überholung steht an. Der E 3425 Stuttgart – Ulm, bespannt mit 110 291 gesellt sich zum N 5271. 110 291 glänzt bereits seit 2 Jahren in orientrot. 110 294 darf ihr blaues Kleid nicht mehr ganz ein halbes Jahr behalten.
26.) Beide Züge haben das selbe Fahrtziel, aber unterschiedliche Fahrzeiten. Der N 5271 fuhr um 16:10 in Stuttgart ab, der E 3425 um 16:30. Der Eilzug kommt um 17:49 in Ulm an, der Nahverkehrszug um 18:02. Er hält ausser in Geislingen West und Amstetten überall.
27.) Umlaufbedingt kommen auch durchaus schwere Güterzugloks zum Personenzugeinsatz. Um 17:25 rollt 150 172 mit dem N 5274 Ulm – Geislingen die inzwischen wieder nebelverhangene Steige herunter auf Gleis 3 herein.
28.) Während die 150 mit nur zwei Silberlingen einläuft, wartet nebendran der sechs oder sieben Wagen starke E 3425 auf die Abfahrt.
29.) Weitere Minuten vergehen, da bleibt Zeit nochmal aufs Gleis 1 rüberzuwechseln. Auf Gleis 3 hat 150 172 für ihren Leerzug bereits Sh2 bekommen (mittleres Signal).
30.) 150 172 zieht den Leerzug ab.
31.) Inzwischen ist es 17:30 und 110 294 muß immer noch warten. Ganz hinten schiebt sich eine 103 ins Bild.
32.) 14 Sekunden später rollt 103 240 schon an der E 10 vorbei. Am Haken hat sie den EC 19 Andreas Hofer Dortmund – Innsbruck.
33.) Nochmal 110 294 in einer anderen Perspektive.
34.) Nun zeigt das Signal von Gleis 1 schließlich Hp 2. Die Steige herunter kommt gerade ein mit einer 151 bespannter Güterzug.
35. + 36.) Dann um 17:34 gehts endlich weiter nach Ulm, die 22,5 ‰ bis nach Amstetten hinauf. Links der Güterzug, den 365 810 inzwischen zusammengestellt hat und an dem nun auch die Eichgerätewagen hängen.
37.) Gleis 1 und 2, eingerahmt von Fußgängersteg und Bahnsteigdächern. 365 810 hat die Rangierfahrt kurz nach Gleis 1 geführt.
38.) Nun kommen Güterzüge in dichter Folge die Steige herunter. Hier ist es 150 092. Auf dem äußersten Gleis hat inzwischen 150 172 die beiden Silberlinge abgestellt, die sie als N 5274 gebracht hatte. Den Güterzug auf Gleis 5 hat 365 810 zusammengestellt. Es handelt sich dabei um den Ng 64259 Geislingen – Ulm Rbf.
39.) Während der Stangendiesel an der Rampe weiter rangiert, rollt um 17:39 die 111 017 mit einem Nahverkehrszug mit dem kurzen Laufweg Göppingen – Geislingen auf Gleis 1 ein.
40.) Ein näherer Blick auf die Weichenverbindungen an der Nordostausfahrt. Hier ist auch das Wartegleis für die Schubloks mit einer ebenfalls im Schubdienst befindlichen wartenden E 50. Güterzüge werden schon ab Geislingen West nachgeschoben. Die Lok die in Geislingen selbst steht, ist für Notfälle, falls ein hochwertiger Reisezug außerplanmäßig in Geislingen halten muß, oder im Herbst, wenn die Gleise vom Laub rutschig sind. Zum beginnenden ICE-Zeitalter bekamen die 150er talseitig ein Kupplungsadapter für Scharfenbergkupplungen verpasst. Da ICE-Triebzüge nicht geschoben werden dürfen, wird die Lok vorgespannt.
41.) Um 17:43 kehrt 150 151, die auf Bild 19 im Schubdienst zu sehen ist, solo aus Amstetten zurück. Links hinten abgestellt ist in zwischen 150 172, auf Seite 3 mit dem N 5274 Ulm – Geislingen zu sehen.
42.) Die Lok rollt zurück nach Geislingen West, von wo aus sie aufs Neue einen Güterzug nachschieben wird. Im Hintergrund ist 365 810 immer noch fleissig.
43.) Um 17:45 rollt der nächste ICE durch den Bahnhof.
44.) Richtung Stuttgart fahrende 151 111 mit einem Güterzug. Die Zuggarnitur, die mit 111 017 nach Geislingen kam, wurde inzwischen auf dem Stumpfgleis neben Gleis 1 abgestellt.
45.)
46.) Um 17.55 rollt 103 141 mit dem IR 2291 Karlsruhe — Salzburg auf Gleis 2 ein, mit dem meine Reise wieder nach Hause ging. Auf Gleis 1 steht inzwischen auch eine ganze Reihe Güterwagen. Diese werden später Geislingen als Ne 62368 nach Stuttgart-Untertürkheim fahren.